André Berghegger ist angekommen – und möchte bleiben

Bundestagswahl 2017

Im Grönenbergpark fühlt sich CDU-Kandidat André Berghegger wohl und Zuhause. Aber auch auf seine Arbeit in Berlin möchte er nicht mehr verzichten. Foto: Hermann Pentermann
Im Grönenbergpark fühlt sich CDU-Kandidat André Berghegger wohl und Zuhause. Aber auch auf seine Arbeit in Berlin möchte er nicht mehr verzichten. Foto: Hermann Pentermann
Sein Lieblingsplatz ist der Küchentisch. Weil da das Familienleben tobt, die besten Gespräche geführt werden. Fotografieren möchte André Berghegger den Tisch irgendwo in Melle nicht. Die Privatsphäre ist dem CDU-Bundestagsabgeordneten heilig. Auch sonst lotet er jedes Wort aus, bevor er es ausspricht. Damit ist der Jurist weit gekommen.

Bis in den Bundestag. Vor viereinhalb Jahren machten ihn die Menschen in den 16 Orten des Wahlkreises wenig überraschend mit 53 Prozent der Stimmen zum Abgeordneten, nachdem Platzhirsch Georg Schirmbeck auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte. In Berlin angekommen, erklärte der damals 41-Jährige: „Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ich muss mich immer wieder kneifen, dass ich dabei sein darf.“

Kneifen musste er sich heute nicht mehr, als er auf der Terrasse des Restaurants Heimathof im Grönenbergpark unter einem Sonnenschirm Platz genommen hat – Platz zwei seiner Lieblingsplatz-Rangliste: „Hier ist es einfach schön“, sagt er mit Blick auf die Fachwerkhäuser, den Park mit Teichen, Minigolf- und Tennisplatz, Freibad und Heimatmuseum und einem Planetenwanderweg.

Berghegger ist angekommen, in Melle, wo er sieben Jahre lang Bürgermeister war, schon lange. In Berlin sitzt er seit knapp vier Jahren im Innen- und im Haushaltsausschuss und damit an bedeutsamen Schaltstellen der Bundespolitik.

Die Themen, die hier entschieden werden, sind ihm wichtig: „Ich halte die Innenpolitik im Moment für sehr relevant, sie hat mit Ordnung und dem Funktionieren des Staates zu tun, mit Obrigkeit und Struktur. Die Bürger erwarten Sicherheit, gerade im wachsenden Europa.“
Die Eskalation der Gewalt beim G20-Gipfel verurteilt Berghegger daher scharf: „Solche Straftaten dürfen nicht relativiert werden.“ Der Respekt voreinander und der Zusammenhalt in der Gesellschaft hingen eng mit der Achtung der Obrigkeit zusammen: „Sonst funktioniert das Gemeinwesen nicht“, findet der Vater zweiter Kinder. Deshalb hält er auch die Einbrüche von Tierschützern in landwirtschaftliche Betriebe für indiskutabel: „Das ist eine nicht zu verniedlichende Straftat.“
Er denkt viel darüber nach, wie sich die Berliner Entscheidungen auf die Bürger auswirken: „Eine meiner Hauptaufgaben ist es, Politik zu erklären: Was machen wir da eigentlich? Denn da steckt ein Sinn hinter. Deshalb sind Gespräche superwichtig.“
 
Zwischen diesen Polen, den Bürgern und der Regierung, bewegt sich der gebürtige Ostercappelner mit Zweitwohnsitz Berlin. „Wie denken Berufspolitiker? Welche Sorgen bewegen die Bürger? Welche Mahnungen geben sie uns mit?“
Er erlebt beide: Es gibt 22 Sitzungswochen im Jahr: Zeit für die Hauptstadt. In den übrigen Wochen tourt Berghegger durch seinen Wahlkreis oder durch Deutschland, um Themen, über die er mitentscheidet, vor Ort zu begutachten. „Zuletzt war ich an der Küste und in Bayern, um zu sehen, wie der Zoll dort organisiert ist.“
 
Im Osnabrücker Land freut er sich über die guten Arbeitsbedingungen und das rege kulturelle Leben: „Wir haben hier drei Prozent Arbeitslosigkeit.“ Zum Ausreißer Homann und seinem Aus in Dissen und Bad Essen erklärt Berghegger: „Da müssen wir uns unterhaken und fragen, wo wir helfen können.“
Der Wahlkreis und sein Zuhause seien der wichtigste Ausgleich zu Berlin und der „Glasglocke der Politik“, in der er eigentlich immer unter seinesgleichen sei. „Hier vor Ort erlebe ich Erdung und Bindung.“ Ungewohnt gefühlvolle Worte für einen, der von sich selbst sagt: „Emotionen kontrolliere ich.“
 
Ein Alleinstellungsmerkmal, das André Berghegger kultiviert: „Bei meiner Verabschiedung aus Melle war das häufigste Adjektiv über mich das Wort ‚unaufgeregt‘. Also muss da wohl was dran sein.“ Sachlich sei er, wohl auch kontrolliert.
Impulsiv erlebt man ihn nur beim Fußballspielen – wo Affekte erlaubt sind. „Darüber hat sich meine Frau früher richtig erschrocken, weil sie mich so nicht kannte. Beim Fußball kommt der Ehrgeiz.“ Fair sei er auf dem Platz trotzdem.
Er spielt gerne mit, in der fraktionsübergreifenden Mannschaft des FC Bundestags wie unter der Reichstagskuppel: „Ich habe noch nie etwas Aufregenderes und Abwechslungsreicheres erlebt als die Arbeit im Bundestag.“
 

Nach oben