Bürger setzen Zeichen gegen Strommasten am Teuto

Kundgebung gegen Freileitung

Ihre Argumente gegen eine Freileitung auf der geplanten Stromtrasse brachten gestern Vertreter der Bürgerinitiativen und Politiker bei der Abschlusskundgebung in Borgloh vor. Fotos: Luca Kleine Heitmeyer
Ihre Argumente gegen eine Freileitung auf der geplanten Stromtrasse brachten gestern Vertreter der Bürgerinitiativen und Politiker bei der Abschlusskundgebung in Borgloh vor. Fotos: Luca Kleine Heitmeyer
Rund 400 Betroffene haben sich am Sonntag in Borgloh gegen eine Freileitung durch den Teutoburger Wald auf der geplanten Stromtrasse 16 von Bad Essen-Wehrendorf nach Gütersloh ausgesprochen.

Sie forderten stattdessen eine Vollerdverkabelung für den umstrittenen Abschnitt zwischen Voxtrup und Borgholzhausen.

Organisiert wurde die Kundgebung an der Oberschule Hilter im Ortsteil Borgloh von den sechs regionalen „Keine 380-kV-Freileitung am Teuto“-Bürgerinitiativen aus Bissendorf, Holsten-Mündrup, Voxtrup, Borgloh, Wellingholzhausen sowie dem nordrhein-westfälischen Borgholzhausen. Diese hatten zuvor eine gemeinsame Wanderung entlang der geplanten Trasse unternommen.
 
„Nachdem in Borgholzhausen 2012 die erste Bürgerinitiative gegründet worden war, zogen in den darauffolgenden Jahren die anderen betroffenen Ortschaften und Gemeinden nach“, erinnerte sich Frank Vornholt, gemeinsamer Sprecher der Bürgerinitiativen. Im Dezember 2015 erwirkten die engagierten Protestler trotz vieler Widerstände und vermeintlich schlechter Aussichten eine Änderung des Energieleitungsausbaugesetzes.

Dadurch wurde die Trasse 16 zwischen Wehrendorf und Gütersloh zum Pilotprojekt für eine Erdverkabelung. Dieses Vorhaben sieht allerdings nur eine teilweise Verlegung der Leitungen in die Erde vor, während die Bürgerinitiativen auch weiterhin eine Vollerdverkabelung fordern. Auf Unterstützung aus der Bevölkerung scheinen die Verantwortlichen dabei zählen zu können, was nicht zuletzt das große Interesse an der Kundgebung unterstrich.
Auch zahlreiche anwesende Politiker aus der Region bekundeten am Sonntag ihre Solidarität mit den Bürgerinitiativen. Hilters Bürgermeister Marc Schewski (CDU) lobte die Mitglieder für die „stets sachlich und ruhig geführte Debatte“, die ausschlaggebend für die bereits erzielten Erfolge gewesen sei. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete André Berghegger würdigte diese Art der Diskussionskultur.
 
Der Osnabrücker Landtagsabgeordnete Frank Henning (SPD) stellte für die Zeit nach der Bundestagswahl eine niedersächsische Bundesratsinitiative hinsichtlich einer Vollerdverkabelung in Aussicht. Osnabrücks Stadtbaurat Frank Otte hob den Wert des Teutoburger Waldes als Naherholungsgebiet hervor. „Gerade für die Bürger der Friedensstadt ist die beeindruckende Landschaft ein reizvolles Ausflugsziel“, so Otte.
 
Bei der Bevölkerung stößt die Erdverkabelung größtenteils auf Zuspruch. Unter einigen Landwirten ist sie allerdings umstritten. Sie sorgen sich um den Wärmeeintrag der Leitungen in den Boden. Werner Spiegel von der Firma AGS-Verfahrenstechnik aus Stade wies deshalb auf ein von seinem Unternehmen entwickeltes System hin, welches die Kabel mithilfe von Wasser kühlt.
Frank Vornholt betonte, dass sich die Bürgerinitiativen für einen gemeinsamen Dialog mit den Landwirten einsetzen. „Wir möchten uns nicht gegenseitig ausspielen, sondern das Gespräch suchen“, sagte Vornholt. Nur so könne man die Probleme rund um das Thema erfolgreich angehen.
Aktualisierung: Die Angabe „200 Betroffene“ wurde nach einem Korrekturhinweis des Veranstalters auf 400 geändert.

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